Montag, 4. März 2019

Fast verpasst: "Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher"

Quelle: pixabay.com

Schon am 18.12.2018 meldete das BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), dass man mittels einer „Offensive“ die Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher attraktiver gestalten möchte. Zudem soll daran gearbeitet werden, die Fachkräfte auch nach der Ausbildung in dem Berufsfeld zu halten. Das ein Fachkräftemangel besteht ist weitgehend bekannt. Wie aber sieht diese „Offensive“ überhaupt aus? (Da die Art der Ausbildung Ländersache ist, kann ich mich im Folgenden nur auf Baden-Württemberg beziehen)

1. Vergütung für die praxisintegrierte Ausbildung
Man könnte entsetzt sagen das jemand in der Ausbildung kein Geld bekommt, aber das ist schlichtweg falsch: Es gibt verschiedene Formen der Ausbildung: Zum einen die Vollzeitschule, in welcher der Fokus der ersten drei Jahre auf einer theoretischen Ausbildung und Praktika liegt. Im Anschluss daran erfolgt das Berufspraktikum, welches vergütet wird. Während den ersten Jahren der Ausbildung erhält man nur Geld, wenn man Schüler-Bafög beantragt.  Die andere Form der Ausbildung (die Teilzeitform lasse ich aus), ist die praxisintegrierte Ausbildung: Hier liegt der Fokus stärker auf einer direkten Vernetzung von Praxis und Theorie durch Blockeinheiten. Hier erhält man von Beginn an eine Vergütung.

Fazit: Beide Ausbildungsformen haben ihre Vor- und Nachteile. Wenn jemandem aber von Beginn an wichtig ist Geld zu verdienen, sollte er sich für die praxisintegrierte Ausbildung entscheiden – Die Alternative bietet einem zwar nicht direkt eine Vergütung, dafür aber ganz reguläre Schulferien. Daher ist die Offensive in diesem Punkt zwar nett, meiner Meinung nach, aber nicht weiter ausschlaggebend um zu entscheiden ob jemand diese Ausbildung beginnt.
   
2. Ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher sollen besser dazu qualifiziert werden Praxisanleitung zu sein.
Hat man die Ausbildung abgeschlossen, kann man sich früher- oder später dazu entscheiden, selbst Anleitung für angehende Erzieherinnen und Erzieher in der eigenen Einrichtung zu sein. Die Qualität dieser soll erhöht werden. Hierbei kann ich nur aufgrund meinen Erfahrungen und vielen Erfahrungen, meiner Mitauszubildenden sagen: Das ist auch bitter dringend nötig! Ich selbst hatte im Verlauf meiner Ausbildung zwar stets freundliche Menschen als Anleitung, aber ihre eigentliche Rolle hat fast keiner auch nur annähernd gut erfüllt. Von vielen aus meiner Klasse konnte ich ähnliches hören und eines wiederholte sich häufig: „Irgendjemand muss halt die Anleitung übernehmen, damit wir Praktikanten bekommen.“ Aber natürlich gab es auch sehr gute Beispiele dafür, wie eine gelungene Anleitung aussehen kann – Einige der Anleitungen, würde ich heute nach wie vor als Muster hochhalten und sagen: So macht man das! So hat euer Praktikant auch noch Lust nach der Ausbildung im Beruf zu arbeiten! Hinweis: Selbstverständlich sehe ich diesen Punkt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sehr subjektiv.

Fazit: Gute Idee und auch notwendig.

3. Wer sich weiter qualifiziert und fortbildet, erhält mehr Gehalt
 Ich bin schon seit der Ausbildung der Meinung das dieser Aspekt viel zu sehr unbeachtet bleibt. Es ist ungemein wichtig, sich nach der Ausbildung immer weiter und immer wieder erneut für Fortbildungen einzuschreiben und sich in einzelnen Bereichen neue Qualifikationen anzueignen. Das liegt zum einen an speziellen Qualifikationen, die eine Einrichtung erhalten kann (Haus der kleinen Forscher) und zum anderen am Verschleiß der Fachkräfte: Kaum im Alltag der Praxis angekommen, schleicht sich eine gefährliche Routine ein. Zwar werden Handlungen und Entscheidungen für diese routinierter und selbstsicherer, aber viele Aspekte werden schnell vergessen. Sicher kann man nicht alles aus der Ausbildung über die Jahre bei sich behalten, aber immer, wenn ich mir langjährige Fachkräfte ansehe merke ich eines: Sicheres Auftreten in Alltag Situationen. Stets anwachsender Mangel an Fachwissen. Das macht es schwer gute Praxisanleitung zu sein. Aber vor allem werden Handlungs- und Denkweisen, welche man erlernt hat einfach wieder verlernt.

Fazit: Die Aussicht etwas mehr Gehalt, oder einmalige Boni für Fortbildungen und weitere Qualifikationen zu erlangen, halte ich für eine gute Motivation.

Wird die „Offensive“ den Beruf attraktiver machen?
Ich befürchte kaum. Zum einen da sich zwei der drei Punkte auf Personen beziehen, welche bereits die Ausbildung absolviert haben und zum anderen, weil der erste Punkt keine Neuerung schafft. Ich denke es ist wichtiger die generelle Vergütung nach der Ausbildung anzuheben und den Anteil an Fachkräften mit Studienabschlüssen in den Einrichtungen zu erhöhen. Um aber das Berufsbild Erzieher positiver zu fördern ist es ebenso notwendig Personen, welche in der Ausbildung sind auch im Beruf zu halten: Für mich war direkt klar das ich zwar definitiv in dem Beruf gut und zufrieden arbeiten kann, aber ich "mehr" möchte. Einige aus meiner Klasse meinten auch ganz deutlich, dass die Ausbildung und die Erfahrungen in der Schule und der Praxis ihnen die Motivation an der Arbeit im Berufsfeld genommen haben. Zudem hat mich in der Ausbildung vieles zum nachdenken gebracht, wodurch ich mir vor allem nicht darüber im Klaren bin, ob man von den meisten Absolventen der Ausbildung tatsächlich von Fachkräften sprechen kann. Aber dies ist ein anderes Thema.



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