Mittwoch, 13. März 2019

Fragwürdiger Kampf um "Gleichberechtigung"? Weibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien

Quelle:https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Selbstinzenierung-in-den-neuen-Medien.pdf
Die MaLisa Stiftung, welche 2016 von Maria und Elisabeth Furtwängler gegründet wurde hat das Ziel eine freie, gleichberechtigte Gesellschaft zu schaffen. Gleichberechtigung bedeutet für die Stiftung die Stärkung von Mädchen und Frauen - Tatsächlich handelt es sich meiner Meinung nach aber um einen Wunsch zur Gleichstellung um jeden Preis, ohne dabei richtige Fragen zu stellen und fragwürdige Antworten zu liefern. Aber erst einmal von vorne: Auf dem Papier sieht die Ausgangslage für die Studie sehr gut aus - Die Universität Rostock, die Filmuniversität Babelsberg, und das Internationale Zentralinstitut für das Jugend und Bildungsfernsehen (IZI) vom bayrischen Rundfunk haben mehrere tausend Dateneinheiten zur Analyse verschiedener Forschungsfragen erhoben. Wer sich erst einmal selbst ein Bild über die Ergebnisse der Studie machen möchte, kann dies gerne tun: https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Selbstinzenierung-in-den-neuen-Medien.pdf 
Im Folgenden möchte ich nun Argumente der Studie kritisch betrachten:

1. "Die viel von jungen Menschen genutzten Online-Plattformen bieten erst einmal jedem und jeder neue Chancen, sich darzustellen, die eigene Identität zu zeigen und sich eine Stimme zu geben." (Seite 2, Z.11-16)

Diese Aussage ist meiner Meinung nach vollkommen richtig und sollte eigentlich fast schon genügen um jegliche anderen Argumente welche Folgen zu entkräftigen.

2. „Die Geschlechterdarstellungen in den erfolgreichsten YouTube-Kanälen basieren zudem auf veraltet anmutenden Stereotypen: Während Frauen sich überwiegend im privaten Raum zeigen, Schminktipps geben und ihre Hobbies präsentieren (Basteln, Nähen, Kochen), bedienen Männer deutlich mehr Themen: von Unterhaltung über Musik bis zu Games, Comedy und Politik.“ (Seite 2, Z.28-38)

Wie bereits erwähnt bietet YouTube die Möglichkeit, das jeder selbst darüber bestimmt was für Videos man erstellt – Wenn die Wahl dabei auf vermeintlich “veraltete“ Stereotypen fällt ist das erst einmal nichts Positives oder Negatives, sondern Ergebnis freier Wahlmöglichkeiten. Das dies bei den erfolgreichsten YouTube-Kanälen (in Deutschland(?)) der Fall ist, bedeutet aber nicht automatisch das hier ein veraltetes Rollenbild aufgezwungen wird. Eher sollte genauer betrachtet werden: Wie erfolgreich sind die Kanäle (Aufrufe, Anzahl der Abonnenten, Likes/Dislikes,…) und welche Rolle spielen dabei die Persönlichkeiten vor der Kamera und vor allem: Nur weil eine Art von Inhalt beliebter ist als eine andere, bedeutet dies nicht das es ungerecht zugeht, sondern die Nutzer eben zu dem Zeitpunkt eine bestimmte Art von Produkt einem anderen vorzieht.

3. „Auch in Musikvideos, die heute überwiegend über YouTube konsumiert werden, konnten diese beiden Ergebnisse beobachtet werden: Wir sehen noch immer mehrheitlich Frauen, die sexy und passiv inszeniert werden. Und der Anteil der Sängerinnen in den Top 100 liegt seit Jahren bei knapp einem Drittel.“ (Seite 2, Z. 39-47)

Auch hier möchte ich gerne auf die Selbstbestimmung jedes Einzelnen verweisen: Die Entscheidung sich auf eine bestimmte Art und Weise in einem Video zu präsentieren, liegt bei den Künstlern – Sollte die Art der Präsentation den Künstlern aufgezwungen werden, steht es ihnen frei dies zu verweigern. Wenn aber jeder die Möglichkeit haben sollte sich so zu kleiden und zu präsentieren wie er es möchte („my body, my coice“), so sollte es auch in Ordnung sein sich in Unterwäsche zu räkeln oder sich muskelbepackt zu präsentieren. Die Aussage das der Anteil der Sängerinnen in den Top 100 (ich vermute Deutschland) bei knapp einem Drittel liegt ist ebenso Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Amüsiert bin ich vor allem bei der Abbildung der dazugehörigen Grafik auf Seite 11 – Hier zeigt sich das trotz aktueller Studie lediglich die Daten bis zum Jahr 2015 erfasst wurden, und es nicht geschafft wurde „Männer“ richtig zu schreiben. Ich bin zwar selbst nicht sehr sicher in meiner Rechtschreibung, (ich hoffe immer darauf das mein Schreibprogramm besser ist als ich), aber für eine offiziell veröffentlichte Studie mit kontroversen Aussagen musste ich schon schmunzeln.
  
4. „Auch auf Instagram sind insbesondere die Frauen erfolgreich, die einem normierten Schönheitsideal entsprechen. Sie sind dünn, langhaarig und beschäftigen sich hauptsächlich mit den Themen Mode, Ernährung und Beauty. Weibliche Selbstinszenierung findet hier nur in einem sehr begrenzten Korridor statt.“ (Seite 3, Z.5-13) 

Hier gilt meine gleiche Gegenargumentation wie bei den vorherigen Punkten. Hier wird bewusst nur untersucht wer Erfolgreich ist – Weibliche Selbstinszenierung kann (wieder hat jeder selbst die Chance zu entscheiden, was er hochlädt) sehr wohl in einem breiten Korridor stattfinden, ja sogar in einem unfassbar großen Umfang, aber ob man damit erfolgreich ist, wird nicht garantiert. Nur weil ich hin und wieder auf Instagram Videos hochlade wie ich singe, bedeutet es nicht das ich erwarte berühmt zu werden. Aber ich beschwer mich darüber auch nicht.
Als nächstes wird versucht das Argument der freien Selbstbestimmung zu widerlegen:

5. „Die befragten YouTuberinnen verweisen auf Hürden, die es erschweren aus dem Themenumfeld Beauty auszubrechen und sich neue Genres wie Comedy oder Politik zu erschließen. Sie berichten von engen Zuschauererwartungen und damit verbunden kritischen, mitunter bösartigen Kommentaren, sobald sie den normierten Erwartungen widersprechen.“ (S. 3, Z.17-27)

Wenn ich einem YouTube Kanal folge, ist mir dabei völlig egal ob die Person männlich oder weiblich ist. Was mich interessiert ist was für ein Inhalt hochgeladen wird: Abonniere ich zum Beispiel einen Kanal der Musik erstellt, erwarte ich das ich dort Videos sehe, die einen Zusammenhang zu Musik haben. Wenn der Kanalbetreibende nun entscheidet, das er zusätzlich oder nur noch Videos über ein anderes Thema hochladen möchte, steht ihm das selbstverständlich frei – Aber meine Erwartungen werden nicht mehr erfüllt, wodurch es mir ebenso frei steht dem gegenüber kritisch zu sein und die Videos nicht mehr anzusehen. Ebenso geht es zum Beispiel auch Politikern, die wild zwischen Fachbereichen hin und herspringen – Sie können dies zwar tun, aber die Reaktionen sind durchaus oft kritisch. Das natürlich bösartige Kommentare eine Folge sind, ist tatsächlich nicht positiv – Aber kein Produkt von ungerechter Geschlechterbehandlung.
Weitergehend wird auf Instagram und die Auswirkungen von Influencern auf ihre Follower eingegangen:

6. „Insbesondere Mädchen, die Influencer*innen folgen, bearbeiten ihre eigenen Bilder stärker als solche, die keinen Influencer*innen folgen. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.“ (S.3, Z. 39-44)

Hier zeigt sich ein Problem, welches sich durch die gesamte Studie zieht: Die Erhebung der Daten ist für mich nicht klar genug. Es wird auf den folgenden Seiten darüber berichtet das sieben Mädchen hinsichtlich ihrer Gestaltung der Posts untersucht wurden. Das bedeutet, dass anhand von den Aussagen der sieben Mädchen eine Aussage für ALLE Mädchen die Instagram nutzen getroffen wurde? Ebenso ist die Auswahl der Mädchen nicht dargelegt – Fand die Wahl zufällig statt oder hat man sich bewusst Mädchen gesucht, die für die Ergebnisse der Studie von Vorteil sind?
Sollte diese Aussage der Studie aber stimmen würde es lediglich zeigen, was schon lange bekannt ist: Kinder und Jugendliche eifern ihren Vorbildern nach. Das ist erst einmal nicht tragisches. Wenn das eigene Aussehen aber dadurch als nicht ausreichend angesehen wird, ist dies selbstreden nicht gut, hat aber erneut nichts mit dem jeweiligen Geschlecht zu tun, sondern sollte aus einer psychologischen Perspektive betrachtet werden. Wenn ich mir auf Instagram häufig Bilder von muskulösen Männern ansehe, kann ich meinen eigenen Körper ebenso als minderwertig ansehen – Schließlich sind die Männer, die sich so auf Instagram präsentieren oft erfolgreich damit. Wenn ich aber auch so aussehen möchte, könnte ich dafür etwas tun – Ob ich das mache bleibt mir selbst überlassen.
Maria Furtwängler sagt anschließend:

7. „Wenn man alle diese Zahlen nebeneinanderstellt und sieht, dass die Frauen auch in den Medien, die hauptsächlich von Jugendlichen konsumiert werden, nur ein Drittel der Protagonist*innen stellen, muss man sich fragen, was mit den Strukturen nicht stimmt.“ (S.3, Z.50-57)

Tatsächlich aber sollte man sich fragen warum mit den Strukturen etwas nicht stimmen sollte: Wenn ein Handyhersteller ein Produkt entwickelt, welches von der Mehrheit der Menschen gekauft wird, muss man sich nicht auf die Seite der anderen Hersteller positionieren und dafür kämpfen, dass diese ebenso erfolgreich sind. Wenn das Produkt gut genug ist und die Nachfrage vorhanden ist, so wird das Produkt sehr wahrscheinlich auch Erfolg haben.
Die Tochter von Frau Furtwängler wird direkt im Anschluss zitiert: 

8. „Die Studienergebnisse haben uns vor eine Reihe von Fragen gestellt, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben: Warum sind die erfolgreichen Akteur*innen in den neuen sozialen Medien, ausgerechnet die mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen und wie können wir eine größere Vielfalt sichtbar machen? Dieses Thema geht uns alle an und darüber müssen wir diskutieren.“ (S.3, Z.63-73)

Wieder kann ich teilweise zustimmen: Ja, es ist interessant herauszufinden warum gewisse Personen mit gewissen Inhalten erfolgreich sind. Nein, es muss nicht eine größere Vielfalt sichtbar gemacht werden, wenn dies bedeutet eine (erfolgreiche) Vielfalt zu erzwingen. Die Zuschauerzahlen für Profifußball von Männern sind zum Beispiel deutlich höher als die der Frauen – Aber deswegen wird niemand auf die Idee kommen Zuschauer zu zwingen Frauenfußball zu schauen. Vielfalt ist vorhanden, nur der Erfolg ist unterschiedlich und das aus unterschiedlichen Gründen – Nicht aufgrund des Geschlechts.  
Auf den nächsten beiden Seiten werden die Ergebnisse zum Punkt YouTube mit verschiedenen Diagrammen hübsch aufbereitet. Nur leider teilweise ohne Erklärungen oder genaueren Angaben zu den erhobenen Daten:

Situation YouTube

9. „Frauen sind auf YouTube deutlich unterrepräsentiert.“ Das Kreisdiagramm zeigt das 69% der Hauptakteure auf YouTube Männer sind, 29% Frauen.

Offen bleibt hier die Information ob man sich erneut auf die „erfolgreichsten“ Kanäle innerhalb von Deutschland bezieht oder die Anzahl aller Kanäle. Oder aber es sind die Daten aus den im vorherigen Text erwähnten 1.000 YouTube Kanäle die „detailliert untersucht“ wurden. Sollten sich die Daten auf die 1.000 YouTube Kanäle beziehen bleibt ebenso offen wie und nach welchen Kriterien diese ausgewählt worden sind. Aber die Studie wurde unter der Leitung von zwei Professuren erstellt – Das muss als Vertrauensgrundlage wohl genügen.

Die zweite Grafik zeigt ein Säulendiagramm welche die (vermeintlich Stereotypische) Verteilung von Männern und Frauen anhand von Formaten und Themen aufzeigen soll. Aber hier entsteht genau das gleiche Problem: Es ist nicht klar ob sich die Werte auf die vorangegangene unklare Stichprobe beziehen oder hier andere Daten verwendet wurden. Betrachtet man die Grafik aber ohne weiter nachzudenken stellt man erschrocken fest: Bei dem Themenfeld „Food“ sind 23 (Personen? Prozent? Im Durchschnitt? – Keine Ahnung) Frauen vertreten und lediglich 11 Männer.
Als logische Konsequenz wäre es natürlich nur gerecht, wenn so lange weibliche Kanäle zu diesem Themenfeld nicht mehr auf YouTube angezeigt werden, bis dort gleichviele Männer vertreten sind. Vorsicht! Das war pure Ironie. Die dort angezeigten Ergebnisse spiegeln eher zum einen das Interesse von Nutzenden wieder und zum anderen allgegenwärtige, für die meisten akzeptierte normierte Standards – Nicht 50% der Männer schminken sich und nicht alle Männer schätzen sich als Empathisch genug um auf YouTube über „Beziehung/Familie/Geschwister“ zu reden. Es könnte fast das Gefühl entstehen das Frauen und Männer durchaus unterschiedliche Interessen haben.
Aber kommen wir zu Grafik 3:

10. „Männliche YouTuber sind mit einem breiteren Themenfeld für die Nutzer*innen sichtbar und bedienen mehr Genres“

Die dargestellten Themen sind dabei plötzlich eingegrenzt und beinhalten nicht mehr die Themen, die in der vorherigen Grafik noch von deutlich mehr Frauen gewählt worden sind. Die Grafik wirft dabei erneut wild mit Zahlen umher: Man gibt eine Gesamtanzahl an untersuchten Personen von 671 an. Man darf sich also erneut fröhlich aussuchen ob diese Personen aus den 1.000 YouTube Kanälen stammen, oder aber diesmal vielleicht von den 2.000 Videos die „detailliert untersucht“ wurden. Wobei beim kurzen Nachdenken egal ist, welche der beiden Datensätze genutzt wurde – Wo sind die entweder 329 restlichen Personen oder gar die 1.329 Personen verschwunden? Oder aber es wurde ein gänzlich anderer Datensatz genutzt. Keine Ahnung. Daher weis ich nicht einmal wie ich die dargestellten Werte überhaupt empfinden soll. Aber immerhin hat man die Kategorie „How to“ (in welcher 61 Frauen und 9 Männer dargestellt sind) mit aufgenommen – Eine Ironische Bemerkung hierzu spare ich mir.
  
11.Grafik 5: „71 Prozent der Frauen zeigen sich in ihrer Wohnung“ – Ok.

Die restlichen Grafiken sind für mich nicht weiter erwähnenswert also auf zum nächsten Themenfeld der Studie!

Selbstinszenierung von Mädchen auf Instagram

Hier gibt es Eingangs lobenswert einen Einblick in die Stichprobe: 7 Einzelfälle wurden in Schritt 1 untersucht. In Schritt 2 hat man 300 Posts von erfolgreichen Influencerinnen auf wiederholende Muster untersucht. Dann wurden 300 Bilder von (ich schätze den gleichen) Influencerinnen mit 300 Bildern der gleichen Sieben Mädchen verglichen. Wie und nach welchen Kriterien die Mädchen und Influencerinnen ausgewählt wurden bleibt aber (erneut) offen. Rein theoretisch könnten alle 7 Mädchen immense Fans der ausgewählten Influencerinnen sein, wodurch das Ergebnis schon recht vorhersehbar sein könnte. Aber das wird leider nicht erwähnt, daher weiter im Text.
In Schritt 3 hat man Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren (846 Personen, 404 Mädchen) irgendwie ausgewählt und die zu den Erkenntnissen aus den Ergebnissen der sieben Mädchen befragt. Plötzlich kann man also mehr Angaben zur Stichprobe machen, ich bin fast beeindruckt. Im Folgenden werden die Ergebnisse wieder anhand von Grafiken dargestellt.

Grafik 2: 12. „Mädchen ahmen Aussehen, Gestik und Mimik der Influencerinnen nach und kopieren deren bevorzugte Motive.“
 Interessant ist dieses Ergebnis nicht, sondern lediglich das Produkt der Lerntheorie „Lernen am Model“. Das die Motive daraufhin kopiert werden, zeigt nur den simplen Versuch mit möglichst wenig Aufwand möglichst erfolgreich zu sein. Was bei anderen funktioniert, könnte ja bei einem selbst auch funktionieren. Die Grafik 3 bringt nun leider (wieder) Probleme mit sich: 

13. „Mädchen, die Influencerinnen folgen, legen größeren Wert darauf, schlank zu sein.“

Obgleich ich der Aussage ebenso zustimmen würde, wäre es für mich relevant zu wissen ob die Daten nun von den sieben Mädchen bestimmt wurden, was es für mich sehr fragwürdig für eine Verallgemeinerung macht oder ob aber die 404 Mädchen aus Schritt 3 befragt worden sind. Dieses Problem zieht sich durch die nächsten Grafiken bis die (meiner Meinung nach) Absurdität in Grafik 6 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht:

14. „69% der Mädchen die Heidi Klum folgen hellen ihre Zähne auf“

Man wählt also erst einmal eine Influencern die ihr Geld überwiegend mit dem erfüllen von (vermeintlichen) Stereotypen verdient und kommt irgendwie auf die Idee zu untersuchen ob (sucht euch den Datensatz selbst aus) Mädchen, die ihr folgen ihre Zähne aufhellen. Bevor ich aber zu dieser Unsinnigen Aussage meine Meinung formuliere noch schnell die nächste (vermeintlich) schockierende „Tatsache“ der Studie: 

15. „100% der Mädchen die „Dagi Bee“ folgen, optimieren ihre Haut.

Dagi Bee hat 5,7 Millionen Follower (Stand 26.02, Quelle: SocialBlade). Ich bezweifle einfach mal ganz überheblich, dass dieses Ergebnis unter Analyse aller weiblichen Follower von Dagi Bee entstanden ist. Wahrscheinlicher ist erneut, dass die sieben Mädchen der Einzelfallstudie für die Daten herhalten. Sollte dies der Fall sein frage ich mich wie viele der Sieben Mädchen Dagi Bee folgen – Ist es ein Mädchen, ist die Aussage also haltlos. Sind es alle sieben Mädchen ist die Stichprobe haltlos. Kommt man zu dem generellen Schluss, dass eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Mädchen in der Pubertät vermehrt darauf achten ihre Haut zu pflegen so entdeckt man nichts Neues. Das gleiche gilt für das Argument der aufgehellten Zähne – Ich selbst würde meine Zähne vielleicht auch aufhellen, wenn man diese auf meinen Bildern deutlich sehen könnte. Das liegt aber daran, dass ich hellere Zähne als „schöner“ empfinde und nicht daran, dass ich eventuell Heidi Klum folge.
Mehr gibt es zum Themenfeld Instagram eigentlich nicht zu sagen: Es wurde (sehr überraschend) festgestellt das Instagram voll von Inszenierung ist. Unfassbar.
Aber vielleicht kann das letzte Themenfeld ja interessante Ergebnisse liefern:

Geschlechterdarstellungen in Musikvideos

Das Datenmaterial stammt diesmal aus einer „umfassenden Text- und Bildanalyse der Top 100 Musikvideos in Deutschland und den USA […].“ Zudem hat man 332 Musikvideos inhaltsanalytisch in Text und Bild untersucht. Ob diese auch aus den Top 100 stammen ist (schon wieder) nicht erkenntlich. Aber im Anschluss daran wurden 748 Mädchen und Jungen zur Nutzung und Rezeption von Musikvideos befragt. Keine Ahnung ob also insgesamt 1.496 Personen befragt wurden oder aus insgesamt 748 Personen, jeweils 50% Mädchen und Jungen oder…naja, lassen wir das. Aber man hebt noch hervor das die Umfrage Repräsentativ ist, also auf Gesamtpopulation verallgemeinert werden kann. Ist ja schließlich immer noch eine Studie in Zusammenarbeit mit Personen aus der Wissenschaft.

16. „Frauen werden in Musikvideos oft stark sexualisiert und als dem Mann untergeordnet dargestellt.“  

Schockiert werfe ich also einen Blick auf die aktuellen deutschen Charts und stelle fest: Auf Platz 2 befindet sich aktuell Shirin David mit ihrem Song „Gib Ihm“. Umfassend schaue ich das dazugehörige Musikvideo mehrmals um Text- und Bild zu analysieren und stelle fest: „Die Nägel länger als die Shorts“ und „Ich bin nicht halbnackt, bin nur halb angezogen.“ Die Outfits der Künstlerin sind dabei knapp und aufreizend – Zumindest für mich. Ähnliches zeigt sich bei Platz 7 (Ariana Grande, „7 Rings“) Auch wenn mir klar ist, was die Studie mit der Aussage erreichen möchte (Rap ist böse) sollte diese meines Erachtens nach einfach anders formuliert werden: Frauen präsentieren sich in Musikvideos oft stark sexualisiert.
Drei Viertel der Mädchen würden laut der Studie gerne so aussehen wie die Sängerinnen in den Musikvideos – Hier greift wieder das Lernprinzip „Lernen am Model.“ Und zufällig (oder auch nicht) auch drei Viertel der Jungen hätten gerne eine Freundin, die so aussieht, wie die Sängerinnen in Musikvideos. Das kann ich den Jungen nicht verübeln, ich hätte auch gerne eine Freundin die so (für mich persönlich) attraktiv aussieht. Interessant wäre zur Überprüfung gewesen wie viele der Mädchen gerne Justin Bieber (oder wer heutzutage beliebt ist) als Freund hätte. Wäre das dann ebenso schockierend?

17. „In jedem zweiten Video tragen die Frauen Kleidung, die sie deutlich sexualisiert. Männer sind nur in 21 der Videos so zu sehen.“

Erst einmal möchte ich den Personen gratulieren die sich damit (im vermeintlichen Namen der Wissenschaft) damit beschäftigen durften zu überprüfen wie viel Kleidung eine Person in einem Video trägt. Natürlich ist auch wieder nicht klar welche Videos analysiert wurden, wodurch die Aussage direkt haltlos ist. Analysiere ich 100 Videos von Ariana Grande stellt sie sich (pure Vermutung) sicherlich fast zu 100% selbst sexualisiert dar. Analysiere ich 100 Videos von bestimmten Deutschrappern erhalte ich bestimmt ein ähnliches Ergebnis.

Auf der letzten Seite der Studie werden noch ausgewählte Zitate von verschiedenen anonymen Personen dargestellt. Diese sind nicht sonderlich relevant und liefern keinen neuen Erkenntnisgewinn. 

Fazit

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass eine ambitionierte Ausgangssituation leider nicht ihr Potenzial genutzt hat. Einige der Aussagen halte ich klar für falsch, selbst wenn aufgezeigt worden wäre, welcher Datensatz den nun genutzt wurde. Warum die Datenauswertung aber so intransparent ist, stört mich am meisten. Daher hatte ich der Kommunikationsleitung der Stiftung eine E-Mail geschrieben und um Auskunft gebeten. Als Antwort wurde mir gesagt, dass die Daten in den kommenden Monaten nach und nach veröffentlicht werden – Ich kann also gespannt bleiben. Warum man sich dann aber dafür entscheidet bereits mit den Studienergebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen kann ich nicht verstehen. 
Das die Aussagen der Studie zudem sehr unreflektiert und teilweise schlicht falsch sind, halte ich für sehr gefährlich. Die unterschiedlichsten Zeitungen haben die Ergebnisse der Studie aber direkt aufgegriffen und einfach blind so angenommen – Was dem Ganzen meiner Meinung nach noch mehr Brisanz zukommen lässt. Ich hoffe sehr das ich in den nächsten Wochen oder Monaten noch einen besseren Einblick in die Datenerhebung gelangen kann um mein Urteil im besten Fall zu revidieren. Ansonsten hoffe ich das sich die Universitäten klar von den Ergebnissen distanzieren. Den mit Wissenschaft hat das nicht viel zu tun.



Quelle:https://malisastiftung.org/wp-content/uploads/Selbstinzenierung-in-den-neuen-Medien.pdf







Montag, 4. März 2019

Fast verpasst: "Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher"

Quelle: pixabay.com

Schon am 18.12.2018 meldete das BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), dass man mittels einer „Offensive“ die Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher attraktiver gestalten möchte. Zudem soll daran gearbeitet werden, die Fachkräfte auch nach der Ausbildung in dem Berufsfeld zu halten. Das ein Fachkräftemangel besteht ist weitgehend bekannt. Wie aber sieht diese „Offensive“ überhaupt aus? (Da die Art der Ausbildung Ländersache ist, kann ich mich im Folgenden nur auf Baden-Württemberg beziehen)

1. Vergütung für die praxisintegrierte Ausbildung
Man könnte entsetzt sagen das jemand in der Ausbildung kein Geld bekommt, aber das ist schlichtweg falsch: Es gibt verschiedene Formen der Ausbildung: Zum einen die Vollzeitschule, in welcher der Fokus der ersten drei Jahre auf einer theoretischen Ausbildung und Praktika liegt. Im Anschluss daran erfolgt das Berufspraktikum, welches vergütet wird. Während den ersten Jahren der Ausbildung erhält man nur Geld, wenn man Schüler-Bafög beantragt.  Die andere Form der Ausbildung (die Teilzeitform lasse ich aus), ist die praxisintegrierte Ausbildung: Hier liegt der Fokus stärker auf einer direkten Vernetzung von Praxis und Theorie durch Blockeinheiten. Hier erhält man von Beginn an eine Vergütung.

Fazit: Beide Ausbildungsformen haben ihre Vor- und Nachteile. Wenn jemandem aber von Beginn an wichtig ist Geld zu verdienen, sollte er sich für die praxisintegrierte Ausbildung entscheiden – Die Alternative bietet einem zwar nicht direkt eine Vergütung, dafür aber ganz reguläre Schulferien. Daher ist die Offensive in diesem Punkt zwar nett, meiner Meinung nach, aber nicht weiter ausschlaggebend um zu entscheiden ob jemand diese Ausbildung beginnt.
   
2. Ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher sollen besser dazu qualifiziert werden Praxisanleitung zu sein.
Hat man die Ausbildung abgeschlossen, kann man sich früher- oder später dazu entscheiden, selbst Anleitung für angehende Erzieherinnen und Erzieher in der eigenen Einrichtung zu sein. Die Qualität dieser soll erhöht werden. Hierbei kann ich nur aufgrund meinen Erfahrungen und vielen Erfahrungen, meiner Mitauszubildenden sagen: Das ist auch bitter dringend nötig! Ich selbst hatte im Verlauf meiner Ausbildung zwar stets freundliche Menschen als Anleitung, aber ihre eigentliche Rolle hat fast keiner auch nur annähernd gut erfüllt. Von vielen aus meiner Klasse konnte ich ähnliches hören und eines wiederholte sich häufig: „Irgendjemand muss halt die Anleitung übernehmen, damit wir Praktikanten bekommen.“ Aber natürlich gab es auch sehr gute Beispiele dafür, wie eine gelungene Anleitung aussehen kann – Einige der Anleitungen, würde ich heute nach wie vor als Muster hochhalten und sagen: So macht man das! So hat euer Praktikant auch noch Lust nach der Ausbildung im Beruf zu arbeiten! Hinweis: Selbstverständlich sehe ich diesen Punkt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sehr subjektiv.

Fazit: Gute Idee und auch notwendig.

3. Wer sich weiter qualifiziert und fortbildet, erhält mehr Gehalt
 Ich bin schon seit der Ausbildung der Meinung das dieser Aspekt viel zu sehr unbeachtet bleibt. Es ist ungemein wichtig, sich nach der Ausbildung immer weiter und immer wieder erneut für Fortbildungen einzuschreiben und sich in einzelnen Bereichen neue Qualifikationen anzueignen. Das liegt zum einen an speziellen Qualifikationen, die eine Einrichtung erhalten kann (Haus der kleinen Forscher) und zum anderen am Verschleiß der Fachkräfte: Kaum im Alltag der Praxis angekommen, schleicht sich eine gefährliche Routine ein. Zwar werden Handlungen und Entscheidungen für diese routinierter und selbstsicherer, aber viele Aspekte werden schnell vergessen. Sicher kann man nicht alles aus der Ausbildung über die Jahre bei sich behalten, aber immer, wenn ich mir langjährige Fachkräfte ansehe merke ich eines: Sicheres Auftreten in Alltag Situationen. Stets anwachsender Mangel an Fachwissen. Das macht es schwer gute Praxisanleitung zu sein. Aber vor allem werden Handlungs- und Denkweisen, welche man erlernt hat einfach wieder verlernt.

Fazit: Die Aussicht etwas mehr Gehalt, oder einmalige Boni für Fortbildungen und weitere Qualifikationen zu erlangen, halte ich für eine gute Motivation.

Wird die „Offensive“ den Beruf attraktiver machen?
Ich befürchte kaum. Zum einen da sich zwei der drei Punkte auf Personen beziehen, welche bereits die Ausbildung absolviert haben und zum anderen, weil der erste Punkt keine Neuerung schafft. Ich denke es ist wichtiger die generelle Vergütung nach der Ausbildung anzuheben und den Anteil an Fachkräften mit Studienabschlüssen in den Einrichtungen zu erhöhen. Um aber das Berufsbild Erzieher positiver zu fördern ist es ebenso notwendig Personen, welche in der Ausbildung sind auch im Beruf zu halten: Für mich war direkt klar das ich zwar definitiv in dem Beruf gut und zufrieden arbeiten kann, aber ich "mehr" möchte. Einige aus meiner Klasse meinten auch ganz deutlich, dass die Ausbildung und die Erfahrungen in der Schule und der Praxis ihnen die Motivation an der Arbeit im Berufsfeld genommen haben. Zudem hat mich in der Ausbildung vieles zum nachdenken gebracht, wodurch ich mir vor allem nicht darüber im Klaren bin, ob man von den meisten Absolventen der Ausbildung tatsächlich von Fachkräften sprechen kann. Aber dies ist ein anderes Thema.