Dienstag, 18. April 2017

Serienkritik "Tote Mädchen lügen nicht"

© 2017 Netflix
Kann Selbstmord die Antwort auf etwas sein? Wieso die Antwort "Ja" lautet und welche Umstände dazu geführt haben das Hannah Baker sich umbringt wird in der Serie "Tote Mädchen lügen nicht" genau dargestellt. Erzählt wird die Geschichte rund um Hannah Baker von ihr selbst - Vor ihrem Suizid nimmt sie 13 Kassetten auf die in einer chronologischen Reihenfolge das tragische Ereignis aufschlüsseln. Dabei ist jede Kassette einer betreffenden Person gewidmet, wodurch der englische Originaltitel ("13 Reasons Why") deutlich mehr Sinn ergibt.

Die Handlung der Serie ist dabei schnell erklärt: Aufgrund von Gerüchten, Mobbing und weiteren Vorfällen findet Hannah keine anderen Ausweg als sich selbst zu töten. Die Tragik hat ihren Schwerpunkt dabei meines Erachtens weniger im eigentlichen Selbstmord sondern eben den oft verharmlosten Ursachen. Und diese kennt jeder oder musste sie selbst in unterschiedlichen Ausmaßen am eigenen Leib spüren. Besonders Gerüchte können schnell einen Wirbelsturm auslösen und dafür sorgen das einzelne Personen ewig Leidtragende sind.

Genauso ergeht es Hannah Baker - Sie kommt neu an eine Schule und findet dort sogar bald ihren ersten "Freund" mit welchem sie ihren ersten Kuss erlebt. Ein ungünstiges Foto, verbreitet sich ungewollt schnell in der ganzen Schule woraufhin sie den Ruf als "Schlampe" erhält. Von da an geht eigentlich alles bergab - Die wenigsten wollen etwas mit ihr zu tun haben, oder versuchen sie auszunutzen. Auch ihr Klassenkamerad und Arbeitskollege Clay Jensen, welcher ein sehr freundlicher Mensch ist, lässt sich immer wieder von diesen Ereignissen beeinflussen, was immer wieder zu Komplikationen zwischen ihm und Hannah führt. Cley selbst spielt in der Serie die tragende Hauptrolle - Als er nach dem Tod von Hannah die Kassetten erhält gerät er vollkommen durcheinander und macht im Laufe der Serie eine Wandlung vom eher stillen angepassten Typen hin zu einer Selbstbewussten Person, welche sich für die Gerechtigkeit einsetzen möchte. Dies steht im Kontrast zu den auf den Kassetten vertretenen Personen, welche verhindern möchten das diese an die Öffentlichkeit geraten. Dabei ist der Einfluss von Cley auf diese deutlich spürbar und die meisten Personen müssen den inneren Konflikt zwischen Schuld und eigenem Schutz bewältigen. 

Jede der 13 Folgen dauert ungefähr 50 bis 60 Minuten - Dies bietet die Möglichkeit jeder Person genug Zeit zu geben, detailliert dargestellt zu werden, was aber meiner Meinung nach die größte Schwäche der Serie ist. Oft wird die Handlung nur langsam vorangetrieben. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt wie ich nachgesehen habe wie lange eine Folge noch dauert. Einige der Folgen hätte man auf zwei Folgen mit jeweils 30 Minuten aufteilen können. Ich selbst schaue Serien meist am Stück und war tatsächlich etwas erleichtert als der Abspann über den Bildschirm lief. Dabei ist "Tote Mädchen lügen nicht" keine schlechte Serie, im Gegenteil sogar. Es wird aufgezeigt das Selbstmord kein Tabuthema sein sollte (Ist es doch die zweithäufigste Todesursache unter Jungen Menschen) und welche Auswirkungen es haben kann "sich wie ein Arschloch" gegenüber anderen Personen zu benehmen. 

- Die Serie basiert auf dem gleichnamigem Roman von Jay Asher - 

Photo by Beth Dubber/Netflix

Montag, 3. April 2017

Filmkritik "Die Schöne und das Biest" (2017)

© The Walt Disney Company Germany GmbH

1991 erschien damals der Animationsfilm „Die Schöne und das Biest“ und reihte sich nach anderen Filmen wie "Arielle die Meerjungfrau" zu den absoluten Klassikern der damaligen Filmgeschichte Disneys hinzu. Oft wird dieses Zeitalter als das wohl kreativste Zeitalter Disneys gesehen. In den letzten Jahren hat man in ganz Hollywood gemerkt das es erfolgreich sein kann ältere Filme neu zu verfilmen. Ist das notwendig oder reine Gier nach Geld? Während ersteres gut begründet werden kann ist zweites schnell beantwortet: „Die Schöne und das Biest“ hat bereits jetzt das doppelte seiner Produktionskosten eingenommen. Kann die Realverfilmung dem zeitlosen Klassiker gerecht werden?

Handlung:
In einem kleinen Dorf lebt Belle (Emma Watson) zusammen mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline) ein einfaches Leben. Beide sind im Dorf nicht sehr beliebt, denken sie doch etwas anders als der Rest der Einwohner. So bastelt ihr Vater gerne an Dingen herum und Belle erfindet sogar eine Waschmaschine. Belle fühlt sich nicht wohl in dem Dorf und hat Sehnsucht nach etwas Größerem, sie will die Welt bereisen und sich weiterbilden. Äußerst wichtig ist die Tatsache das Belle eine ausgesprochene hübsche junge Frau ist. Die Kombination aus Schönheit, Eigenart und Intelligenz gefällt besonders dem Frauenheld Gaston (Luke Evans). Dieser ist überheblich, arrogant und hat unfassbar markante Wangenknochen. In seiner Begleitung ist immer LeFou (Josh Gad), welcher förmlich an seinem Rockzipfel hängt. Als Belle ihr Vater zum Markt in die Stadt reisen möchte verirrt er sich im Wald und gelangt zu einem düsteren und scheinbar verlassenen Schloss. Dort scheint alles magisch, und als der Vater seiner Tochter den einen Wunsch (Ihr eine Rose aus der Stadt mitzubringen) erfüllen möchte, erscheint ihm der Besitzer des Schlosses, welches ein Biest (Dan Stevens) ist. Dieses wurde, ebenso wie seine Angestellten, von einem bösen Fluch belegt. Belle die ihrem Vater zu Retten eilt, findet sich kurz darauf anstelle ihres Vaters als Gefangene des Biestes wieder. Die Angestellten des Biestes gestalten den Aufenthalt für Belle angenehmer und schon bald muss sie sich der großen Frage stellen: Ist das Biest vielleicht gar nicht so hässlich wie es scheint? Könnte in ihm verborgen tatsächlich etwas liebenswertes sein und würde sie diejenige sein die den Fluch bricht?
© The Walt Disney Company Germany GmbH

Umsetzung:
Disney hat sich sehr bemüht das Drehbuch sehr nahe am Original zu orientieren. Ganze Szenen sind nahezu identisch mit dem Klassiker aus dem Jahre 1991. Die Lieder; und davon gibt es viele, sind ebenso dem Original nachempfunden. Lediglich die Sprache ist etwas moderner geworden. Die deutsche Synchronisation ist stimmig, obgleich man natürlich bei der Deutschen Fassung die Gelegenheit verpasst Emma Watson auf der Leinwand selbst singen zu hören. Zusätzlich zu den bekannten Liedern hat Disney noch neue Lieder hinzugefügt, welche aber stimmig in das Gesamtkonzept passen. Das Szenenbild ist nicht so düster wie zum Beispiel in der Neuverfilmung von „Das Dschungelbuch“, aber dennoch finsterer als das Original. Bei den Kamerafahrten hat man leider wenig Mut gezeigt – Mir persönlich fehlten dynamischere Kamerafahrten ohne viel Schnitt. Die Besetzung weiß zu überzeugen, obgleich ich von Emma Watson eine höhere Erwartungshaltung hatte. Hin und wieder war mir ihre Mimik nicht ausdrucksstark genug, wobei mir immer wieder die Starke Mimik von Belle aus dem Original vor Augen schwebte. Besonders gut gefiel mir die Schauspielleistung von Gaston und LeFou, beide wirken durchgehend authentisch und sorgten für amüsante oder spannende Momente.
© The Walt Disney Company Germany GmbH
Fazit:
Nach dem direkten Besuch im Kino war ich zufriedengestellt. Ein runder Film, welcher es schafft nahe an das Original anzukommen und für ein schönes Kinoerlebnis sorgt. Die altbekannten Lieder lassen Erinnerungen aus vergangenen Tagen aufkommen und eine Weile träumen. Die hinzugefügten Story-Elemente passen in das Gesamtwerk, hätten aber nicht im Film vorhanden sein müssen. Hierdurch wirkt der Film stellenweise unnötig gestreckt (Der Film hat eine Dauer von 2Std. 09Min. – Das Original hatte 1Std. 50Min.).
Große Namen und ein großes Budget sorgen für Aufmerksamkeit und einen großen Erfolg des Filmes. Nachträglich hörte ich mir auf Spotify den Soundtrack noch mehrere Male an und fand den Film immer ein kleines Stückchen besser als er vielleicht war. „Die Schöne und das Biest“ ist ein guter Film geworden – Da kann man glatt vergessen das bereits vor wenigen Jahren eine Realverfilmung erschienen ist (Diese hielt sich vom Drehbuch aber an das Märchen und nicht der Disney Verfilmung). Auch in Zukunft wird uns Disney mit weiteren Realverfilmungen alter Klassiker versorgen ("Dumbo", "Winnie Pooh"...) – Wahrscheinlich wird jeder Film neu aufgelegt, solange nur genügend Geld eingespielt wird. "Die Schöne und das Biest hat aktuell ca. 300 Millionen Euro eingespielt - Die Kosten beliefen sich auf knapp 150 Millionen - Emma Watson erhielt 3 Millionen (Wenn der Film mehr als 700 Millionen Dollar einnimmt erhält diese einen Bonus von bis zu 15(!) Millionen Dollar.) Falls die Filme auf dem gleichen Niveau wie „Das Dschungelbuch“ bleiben oder nun eben den Geist der Vergangenheit mit „Die Schöne und das Biest“ wiederkehren lassen. Ich hoffe sehr das unter der Quantität aber nicht auf Dauer die Quantität der Filme sinkt. Man darf gespannt sein.