Freitag, 24. Februar 2017

Ich bin traurig!

Da lag ich nun also: In meine Bettdecke eingehüllt, eine frische Bauchwärmflasche auf mir liegend und neben mir mein Handy. Um mich herum nichts außer Dunkelheit, alle Rollläden sind verschlossen, kein Ton um mich herum. Einen Moment lang suche ich eine angenehme Position in welcher ich eine Weile liegen bleiben kann, dann nehme ich mein Handy in die Hand und drücke "Play". Leise, sanfte Klaviertöne umkreisen meine Ohren und ich lege das Handy wieder neben mich, begebe mich zurück in meine angenehme Position und schließe die Augen. Ich achte darauf ruhig und gleichmäßig tief ein- und auszuatmen. Die Musik in meinen Ohren hallt in meinem Kopf und will mich die Augen wieder öffnen lassen, doch ich widerstehe diesem Impuls. Mit dem Beginn des nächsten Liedes tauchen Bilder meiner Erinnerung vor meinem geistigen Auge auf. Bilder, welche zu sehen schmerzen und mich berühren. Bei dem nächsten Lied ist es dann soweit: Zuerst ist es nur ein leichtes Zittern, dann das Verziehen der Mundwinkel und immer wieder der Impuls die Augen wieder zu öffnen, doch ich widerstehe mit Mühe erneut: Ich beginne zu weinen. Immer weiter spielen sich vor meinem geistigen Auge Momente ab, welche der Vergangenheit angehören und so nie wieder erlebbar sein werden. Viele Momente, welche mich wütend machen oder unfassbar emotional berühren sind dabei, aber das ist in diesem Moment in Ordnung.

Ich habe mir bewusst Zeit genommen um traurig zu sein.
Jetzt und hier lasse ich durch die Musik und meine Erinnerungen all jene Gefühle zu, welche in mir schlummern und mich immer durch den Alltag begleiten. Aber dabei verharre ich regungslos, ich versuche nicht der unangenehmen und schmerzhaften Situation zu entfliehen, nein, ich suche sie ganz bewusst um mich meiner Verletzlichkeit und meiner Lebendigkeit bewusst zu machen, dem Vergangenen zu gedenken und diesem Platz zu lassen. Im Alltag verdränge ich diese Gedanken oft, da sie nicht angemessen sind, sie mich stören oder ich gar keine Zeit dafür habe. Oft schluckt man seine negativen Gedanken doch einfach herunter und hofft das diese nicht wieder auftauchen mögen. "Wenn ich mal traurig bin, hör ich einfach auf traurig zu sein und bin wieder glücklich!" - Verliert man nicht aber so den Bezug zu seinen eigenen Gefühlen? Ist es nicht eher wichtig seinen Gefühlen Raum und Zeit zu geben? Das gilt meines Erachtens nach für alle Gefühle, sowohl die positiven, als auch die negativen Emotionen. 
Ein Ritual wie von mir beschrieben hilft mir dabei mir eine unbestimmte Zeit ganz alleine für mich zu nehmen und alle eintreffenden Gedanken auf mich wirken zu lassen.
Es mag anfangs schwer sein, driften doch die Gedanken schnell eigen gesteuert wieder ab: Oh, was kommt heute im Fernsehn? Eigentlich könnte ich noch aufräumen... Hat mir jemand in WhatsApp geschrieben? - Kommt man allerdings zur Ruhe und Akzeptanz der eigenen Gefühle, so offenbart sich einem vielleicht etwas ganz Neues: Man erfährt was einen eigentlich beschäftigt, was einem wichtig ist und was man für sich selbst möchte, sowie die eventuelle Gewissheit was vergangen ist und nicht wieder zurückholbar ist. 






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