Sonntag, 29. Januar 2017

Essen & Ich | Teil 2 |

Jetzt ist es also raus: Ich habe mir eingestanden eine Essstörung zu haben. Dieser Schritt hat mich einiges an Überwindung gekostet, doch besonders die Tatsache "es gesagt zu haben", sorgte in den letzten zwei Wochen dafür das ich mich aktiv für eine Veränderung einsetze. Ich hatte nach zuständigen Fachärzten gesucht und musste erst einmal ernüchternd feststellen: Auf den ersten Blick gibt es überhaupt keine direkte Anlaufstelle für mich - Hilfsangebote sind zwar vorhanden, jedoch immer mit der deutlichen Aussage: "Für Mädchen und Frauen". Ein kurzes Telefonat bestätigte mir dies bei einigen Hilfsangeboten zusätzlich. Zwei mögliche Anlaufstellen konnte ich dennoch ausfindig machen, welche mir Hilfe anbieten - Dort stelle ich mir in den ersten Februarwochen vor. Ich habe mir vorgenommen eine Woche lang (Seit Donnerstag 26.01-Donnerstag 02.02.) mein Essverhalten zu dokumentieren um einen Überblick zu haben WAS ich eigentlich esse & trinke. Gedanken habe ich mir auch über mein eigenes Körperbild gemacht und wieder eine hohe Ambivalenz meiner Gefühle gegenüber meinem Körper feststellen können. So ist es gut möglich das ich mich im Spiegel betrachte und mir unglaublich dick vorkomme. Das kann auf einzelne Bereiche meines Körpers zentriert sein, wie zum Beispiel der Angst einen dicken Bauch zu haben, oder aber das ich mich im gesamten nicht leiden kann. In anderen Momenten betrachte ich mich und erkenne ganz klar, dass ich deutlich zu wenig wiege und mir dies nicht gefällt. 



Warum esse ich so wenig?
Das hat vielerlei Gründe, aber ich kann einige klar benennen: Am häufigsten "vergesse" ich das ich etwas Essen sollte. Oft bemerke ich erst am Abend das ich eigentlich den ganzen Tag noch keine vollständige Mahlzeit gegessen habe. Mit dem Vergessen einher geht auch meist das ich überhaupt kein Hungergefühl habe - Es macht mir nichts einen oder zwei Tage nichts oder nur sehr wenig zu essen. Wo andere gereizt werden oder plötzlichen Appetit verspüren muss ich mich bewusst entscheiden etwas zu essen. Natürlich habe ich auch ein Kalorienbewusstes Denken entwickelt - Bei dem Gedanken daran wie viele Kalorien ein einzelner Oreokeks hat (ca. 50 kcal) geht in meinem Kopf direkt eine Kettenreaktion los: Wie viel Sport müsste ich machen um das wieder abzutrainieren - oder aber: Wenn ich eine ganze Packung (ca. 1.200 kcal) essen, habe ich bereits die Hälfte meines Grundumsatzes zu mir genommen und muss den restlichen Tag nicht mehr viel (oder eher gar nichts) essen. Hierbei bemühe ich mich aufmerksam zu sein und mich bei solchen Gedanken zu ertappen und einzulenken. 



Gibt es Tage an denen du mehr isst?
Ja, solche Tage gibt es durchaus. Hierbei unterscheide ich in zwei verschiedene Möglichkeiten: Entweder ich habe eine lange Zeit fast nichts gegessen und mein Körper signalisiert mir dann doch das er gerne etwas Energie in Form von Nahrung bekommen würde, wodurch ich dann oft eine große Mahlzeit esse oder ich bin in Gesellschaft und es kommt zum gemeinsamen Essen. Dann drehen sich meine Gedanken zwar ebenfalls um das was ich esse und die Kalorien, aber es ist mir möglich "normal" aufzutreten. Gewisse Dinge esse ich auch lieber als andere - Hier wird mein Denken ebenfalls zur Seite gedrängt. Ich liebe zum Beispiel Yufka mit Saitan zu essen (Go Vegan), eine ganze Avocado oder Erdnussbutter. Aber ich kann mich selbstverständlich nicht nur von solchen Lebensmitteln ernähren. 

"Du musst einfach mehr Essen!" - "Geh doch jeden Tag zu McDonalds" - "Nüsse, Nüsse, Nüsse!"
Überraschend oft sagen mir verschiedenste Leute ich solle "einfach mehr Essen". Meist wird dann von dem eigenen Essverhalten berichtet: "Also ich brauche xy-viel Essen am Tag sonst werde ich wütend" - "Ich kann gar nicht so lange ohne etwas zu Essen auskommen" - "Dein Problem hätte ich gerne, schau mal wie viel ich wiege!". Das ist zwar alles sehr interessant zu hören, aber mir ist durchaus bewusst das ich mehr Essen sollte. So funktioniert das aber nicht (Oder?). Die Aussage jeden Tag bei McDonalds oder anderen FastFood Ketten zu essen höre ich auch ständig. "Oh, ein paar BigMac und dann wiegst du ganz schnell mehr!"
Hierbei vergessen viele oft das ich mich vegan ernähre und mich bemühe Konzerne wie McDonalds aus verschiedensten Gründen zu meiden - Hin und wieder kaufe ich mir dort aber durchaus Pommes. Was mir eigentlich immer geraten wird ist Nüsse zu essen. "Die perfekte Mahlzeit für zwischendurch." Und tatsächlich esse ich gerne Nüsse und baue diese immer wieder in meinen Tag mit ein, dass Problem ist aber das ich keine Lust habe zu Essen - Und dann sind jegliche Mahlzeiten für zwischendurch nervig und wenn ich dann Abends merke was ich alles nicht gegessen habe was ich mir vorgenommen habe, bin ich nur umso frustrierter. Gleiches gilt für Kalorienshakes - Kurzfristig ist das eine gute Möglichkeit auf meinen geforderten Kalorienbedarf zu kommen, aber auf lange Sicht lerne ich nicht wie ich meine Essstörung besiege und eine konstante Veränderung bewirke.

Im nächsten Artikel: Übersicht WAS ich innerhalb einer Woche esse, mein Verhältnis zu Bewegung, (und alles andere über das ich sonst noch schreiben möchte..) 







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